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Die echte Gladiatora
Zweimal im Jahr schteigt beim Schwob von ganz alloi dr Bluatdruck und er wird hellwach. Im Prinzip isch des ja guat, hat aber leider nix mit de Hor- mone zum do. Au isch's bei ihra viel ärger als wie bei ihm. Im Grund hat der Zuschtand was mit de Jahreszeita z'do. Manche Fraua, die werdet in der heißen Phase dieser immer wiederkehrenden Zyklen sogar zappelich, schprunghaft und beinah zügellos. Mr könnt grad moina, die ganze Fraua wäred auf oin Schlag irgendwie brunftich worda, so aufg'regt sind die. Des andere Geschlecht isch aber net dr Grund für dieses abnormale Verhalta. Dr wahre Grund liegt im angeborenen, tiefsitzen- den Sammeltrieb des Schwaben. Schlussverkauf - der sagenumwobene Sammelbegriff endzeitmäßiger Schpar- orgien.Schlussverkauf - wie viele bitter benötigte Anschaffunga hält mr net für diese heißersehnten Tage zurück.
Im Winter zum Beischpiel, wenn mr scho längscht warme Sacha haba sott, wird so lang g'wartet, bis jeder wenichschtens oimal dr Schnupfa ghabt hat. "Habet sie net scho ebbas runtergsetzt?" "Könnt mr an dem Blüsle nix nochlassa, s'isch doch bald Schlussvokauf?" " Wenn sie mir die Hosa a bissle runterpreisa, no däd i sie nehma." Mit solchen oder ähnlichen Fragen und Aufforderungen wird scho wocha- lang vor am eigentlicha Termin s'Vokaufspersonal gnervt.
Natürlich wird scho einige Däg vor am Schlussvokaufsschtart die entschprechende Ware reduziert und die echten Schnäppchenjäger gehen auf die Pirsch. Zum Stichtag jedoch ist ein eigfleischter Tiefpreisbeutegreifer nicht mehr zu halta. Da wird mit brachialer Urgewalt schiergar d'Türa vom Kaufhaus eidrückt. Wehe, s'drängelt sich oine vor. So Oinera wird auf dr Schtell d'Handtasch auf dr Dez g'schlaga, dass no so schtaubt! Dr Schlussvokauf hat seine eigene Regla und mr sott sich im eigena Interesse dro halta.
Dr Wühltisch wird von rechts nach links durchgschafft, ja net von dr Mitte nach außa! Mehr wie sieba Kleider auf oimal in d'Kabina neischleifa isch ebenso unerwünscht. Wega dr Zeiterschparnis isch sowieso besser, mr schteht net in jeder Abteilung an d'Kasse no. Viel besser geht's, wenn mr alles schtapelt und schtopft und zum Schluss irgendwo vordrängelt.
Als schlussvokaufserprobter Haudega kennt mr sich aus. S'gibt aber immer so a paar Egoischtaweiber, die kämpfet sich ohne irgendwelches Syschtem durch d'Feinrippunterwäsch, dass d'Gummizüg no so fatzed. Do geht a Gschrei los, solche werdet alles g'heißa, do wird die guate Kinderschtube vogessa, do isch alles egal. Es soll sogar regelmäßich zu handfeschte Tätlichkeita komma sei! Mit dr oina Hand d'Beute sichern, mit dr ondera weiterschaufeln und mit de Ellaboga s'Revier voteidiga. Do kennt sie nix!
Schlussvokauf isch Überlebenskampf pur! Höchschte Vorsicht isch gebota, wenn mr selber a bissle kränklich, schmichtalich, zäpfich oder z'kloi isch. Sonscht ko mr beim Biberbettwäsch-Nahkampf buchschtäblich in d'Knia geha.
Am End schleift mr sein Ogebots-Lumpagruscht mit g'schwollener Bruscht (und Zeha) an d'Kassa. Die Euphorie eines ultimativa Schpar-Erlebnisses weicht schpäteschtens jetzt aber der Nüchternheit des unbarmherzigen Kassazettels. Mr hat ganz beschtimmt net z'viel kauft und sowieso bloß des, was mr ubedingt braucht. Fünf Pärla Socka für dr Mo hättet g'langt. Umgrechnet wared die 10er-Päckla aber viel billiger, also hat mr gleich drei drvo gnomma. So günschtig könnet ja die Socka s'nächschte Mol nimme sei und dahoim fressed sie koi Brot. So oder ähnlich rechtfertigt sich die vollbepackte Extremschparerin vor sich selbscht.
Erscht jetzt fällt ihra auf, dass ihr neua Büschtahalter net zum Schlüpferle passt. Irgendwie müassat sich die Teile beim Wühla untrennbar voknotet haba. Bei solche Tiefpreise isch des aber net so wichtich, au wenn dr Liebestöter viel z'groß isch, mr ko ja neiwachsa!
Auffallend viele Fraua klaga durch die Schlussvokaufszeit über Prellunga und g'schwollene Fiaß. Viele sieht mr noch wochalang an dr vokratzta Hand die Folga vom Schnäppchendreikampf (vordrücka, greifa, sichern) o. So kloine Uonehmlich- keita werdet aber ohne zu klaga in Kauf g'nomma, Hauptsach, d'Gugga sind voll und mr hat ebbes Günschtichs vowischt, au wenn mr schier nimme hoimwackla ko.
Schlussvokauf, das isch eine der wenigen Disziplina, in denen sich der Schwabe und vor allem die Schwäbin noch richtig beweisa kann.
Eigentlich isch es ja schizophren, dass mr beim Geldausgeba au gleichzeitig no schpara will. Richtich schpara geht logischerweis bloß beim Net-Ausgeba! Aber au diese reine Lehre der schwäbischen Kleinschparer-Ideologie geht im Kampf um Kittelschürza, Unterhosa und Bettwäsch sang- und klanglos unter.
Es kann durchaus vorkomma, dass dr Haussega nach solche Schparexzesse a bissle schiefhenkt. Aber mr sollte nie außer Acht lassa: "Schpara muass sei, ohne Schpara isch mr koin rechta Schwob! Wer net schpart, der kommt zu nix!" (Erscht wer nix mehr hat, der braucht au nimme schpara!)
Diesen weiblichen Drang nach Selbstbestätigung habet unsere heimische Volks- hochschuala scho längschd erkannt. Net umsonscht gibt's so viele Kurse für Selbst-verteidigung, speziell für Fraua. Mr sott als Mo oimal Mäusle sei und in so an Kurs neiglotza dürfa. Do könnt mr dann hautnah miterleba, wie die Spätzles-Athletinna fachmännisch auf den glorreicha Kampf in dr Doppelripp- Arena vorbereitet werdet.
Dr Schlussvokauf will besiegt werda - auf in den Kampf!
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